Herzensprojekt

Das Jugenddorf Lokod in Rumänien.

Wie alles begann

Das war im Mai 2019, als mich Elke und Herbert Flöck kontaktierten und fragten, ob ich die Webseite ihres Vereins neu gestalten könnte. Das erste Mal trafen wir uns bei den beiden zuhause. Ich wusste bereits, dass sie irgendwas in Rumänien machen. Was genau, erzählten sie mir dann bei einer Tasse Kaffee.

Bildmaterial und Texte waren vorhanden und so konnte ich die Webseite relativ schnell umsetzen. Zum Dank für meine Arbeit, luden die beiden mich nach Rumänien ein, um mir selbst ein Bild vom Verein und dessen Tätigkeiten zu machen. 

Am 16. September ging es von Köln aus mit dem Flieger nach Cluj-Napoca. Am Flughafen angekommen, warteten die beiden bereits. Von dort aus ging es mit dem Wagen (muss in Rumänien natürlich ein Dacia sein!) Richtung Lokod. Einmal aus Cluj raus, wurde am Straßenrand erst einmal eine Frühstückspause eingelegt. Für die knapp 200 Kilometer brauchten wir gute drei Stunden, denn es ging ausschliesslich über Landstraßen und Buckelpisten.

Schnell geflasht

Ich weiss nicht wieso, aber bereits während der Fahrt fühlte ich mich pudelwohl, was unter anderem an den schönen Landschaften lag. Das erinnerte mich an einen Mix aus heimischer Eifel und unendlichen Weiten.

Natürlich erzählten mir Elke und Herbert einiges über das Jugenddorf Lokod und was es dort alles zu sehen gibt. Ich war schon richtig gespannt auf die jungen Leute und die Leiter der Einrichtungen. 

Angekommen

Zuerst ging es ins benachbarte Bikavalva, wo sich die betreute Werkstatt befindet und die Leiter des Vereins vor Ort Csaba und Ildiko wohnen. Zur Begrüßung gab es von Ildiko frisch gebratenen Fisch und Gemüse. Herrlich! Herbert und Csaba zeigten mir anschließend die Werkstatt. Diese ist vollwertig ausgestattet und so manch Schreiner hätte hier seinen Spaß. 

Zum Abschied gab es noch einen Palinka. Ein heimischer Pflaumenschnaps. Richtiges Teufelszeug! Danach ging es nach Lokod.

Lokod oder auch Locodeni

In der Gegend wird neben Rumänisch auch Ungarisch gesprochen. Das liegt daran, dass in Siebenbürgen eine ungarische Minderheit lebt. Man findet dort auch alle Straßen- und Hinweisschilder in beiden Sprachen. Das nur am Rande.

In Lokod befinden sich mehrere Jugendhäuser, eine Lagerhalle, in der regelmäßig ein Basar stattfindet, wo Kleiderspenden aus Deutschland für ein paar Lei (rumänische Währung) an die Einheimischen verkauft werden. Daneben gibt es noch eine eigene Kantine, ein Freizeithaus und eine Werkstatt. Die Häuser wurden in den Jahren zuvor für relativ kleines Geld erworben und liebevoll in Stand gesetzt. Das ging natürlich nicht von heute auf morgen. Wir sprechen hier von einem Zeitraum von 25 Jahre.

Lokod muss man sich ungefähr so vorstellen. Weit ab von Städten, in einem Tal gelegen, keine asphaltierten Straßen und manchmal ist der Strom einfach weg. Wie in einem kleinen Dorf in Deutschland vor gefühlt 50 Jahren. Mir persönlich macht das überhaupt nichts aus, da ich solche abgeschiedenen Orte mag und ich auch nicht permanent ‘on fire’ sein muss. So etwas muss man genießen und auf sich wirken lassen.

Irgendwie stolz

Am nächsten Tag ging es auf ‘Rundreise’. Herbert zeigte mir die Werkstatt, wo Betonpfeiler gegossen werden, die danach an einheimische Bauunternehmen verkauft werden. Der ‘Chef’ in der Werkstatt ist Nico. Nach und nach lernte ich die jungen Leute alle kennen. Da waren zuerst Csilla und Heuni. Zwei Mädels die anpacken können und handwerklich einiges drauf haben. Dann war da Marika, die Jüngste im Dorf. 

Anschließend trafen wir auf Czabika. Ein junger autistischer Mann, schlacksig und eher schüchtern. Herbert erzählte mir, dass er Fremden gegenüber total verschlossen sei. Ich hatte aber direkt einen guten Draht zu Czabika. Es ist ein Ritual in Lokod, dass Czabika jeden Abend um Punkt 20 Uhr zu Elke und Herbert ins Haus kommt und dort ein Glas Apfelsaft und Kekse bekommt. 

Und genau so war es dann auch. Czabika trudelte ein, während wir im Wohnzimmer saßen. Wir begrüßten uns per Handschlag was Elke und Herbert schon außergewöhnlich fanden, da er das sonst nie macht. Dann reichte ich ihm seinen Apfelsaft und die Kekse. Danach waren wir dicke Freunde und ich ein Stück weit stolz, der erste befreundete Fremde zu sein.

Elke und Herbert Flöck. Zwei Menschen mit einem Riesenherz. Elke und Herbert Flöck. Zwei Menschen mit einem Riesenherz.
Elke und Herbert Flöck. Zwei Menschen mit einem Riesenherz. Elke und Herbert Flöck. Zwei Menschen mit einem Riesenherz.

Uneigennützig, liebenswert, hilfsbereit. So kann man Elke und Herbert in drei Worten beschreiben.

Vor ungefähr 30 Jahren kamen Elke und Herbert das erste Mal mit Rumänien in Berührung. Damals hatten sie das einschneidende Erlebnis, ein Kinderheim in der Nähe von Lokod zu besuchen. Mehr als geschockt von den Bedingungen von Ort und dem unendlichen Leid der Kinder, machten sie sich deprimiert auf den Weg zurück nach Deutschland. Was sie dort sahen, sollte sie nicht mehr los lassen. Zurück in der Heimat überlegten beide, was man tun kann, um den Kindern und Menschen vor Ort zu helfen.

Dann der radikale Schnitt. Herbert verkaufte seine Versicherungsagentur, Elke gab ihre selbstgeführten Kioske auf. Alles auf eine Karte! Ab dem Zeitpunkt wurde die ganze Energie in das Projekt LIA e.V. gesteckt. Seit dem haben die beiden in Rumänien eine zweite Heimat gefunden. Sie können vor Ort helfen und sind im ständigen Kontakt mit den jungen Leute. 

Wenn sie in Deutschland sind, fahren sie oft zu Vorträgen, um auf die Situation in Lokod aufmerksam zu machen und im besten Fall Spenden zu erhalten.

Verdammt viele Eindrücke

Insgesamt habe ich sechs Tage in Lokod verbracht. Während des  Aufenthalts konnte ich viele nette Menschen kennenlernen und so viele Eindrücke und Erlebnisse sammeln, dass ich dafür gefühlt einen extra Koffer hätte packen können. 

In Deutschland angekommen wurde mir erst richtig bewusst, was man durch Eigeninitiative erreichen kann. Wenn man an eine Sache glaubt oder davon überzeugt ist, dann ist vieles möglich. Mich hat diese Reise jedenfalls so fasziniert, dass ich bereits zwei Wochen später wieder im Flieger saß Richtung Cluj-Napoca. Natürlich habe ich für die Strecke nach Lokod einen Dacia als Leihwagen genommen. 

Jetzt sind rückblickend ein paar Jahre verstrichen, aber Rumänien, speziell Lokod, gehören zu meinem Leben dazu. So sehr, dass es mich immer wieder dort hin zieht. Stand heute (Dez. 2022) war ich bereits sechs Mal vor Ort. Unter anderem konnte ich mit meiner Frau, meiner Mum und einem sehr guten Freund anreisen. Ich wollte ihnen einfach zeigen, wie wichtig es ist, dass es solche Projekte gibt. Ohne Elke und Herbert würden viele der Dorfbewohner in einem Leben wie wir es kennen, kaum eine Chance haben. 

Ich konnte während dieser Zeit viele Freundschaften knüpfen, besonders mit Ildiko und Csaba. Aber auch zu den Mädels in Bikavala oder den Mädels und Jungs in Lokod hat sich während dieser Zeit ein herzliches Miteinander entwickelt. Ich freue mich schon auf den nächsten Aufenthalt in Lokod.

Ich finde es wichtig, dass es solche Projekte gibt. Wo Menschen einfach da sind, um anderen ein schöneres Leben zu ermöglichen.

Weitere Informationen zum LIA e.V.

Lage

Lokod befindet sich im rumänischen Kreis Harghita. Die nächstgrößere Stadt ist Ordohellen. In Lokod selbst leben mit den junge Leuten des Vereins gerade einmal 50-60 Leute. Hier befinden sich die Jungen- und Mädchenhäuser, eine Werkstatt, eine Lagerhalle (unter anderem für den Basar genutzt), ein Freizeithaus, eine Kantine mit weiteren Räumen und ein Museum.

In Bikavalva (rum. Taureni) befindet sich die betreute Werkstatt und das betreute Wohnhaus. Die beiden Ortschaften liegen ca. 15 Kilometer aus einander.

Der Verein

Der LIA e.V. finanziert sich größtenteils durch Spenden aus Deutschland. Der deutsche Sitz befindet sich in Grevenbroich.